Kurzbiografie  

Gudrun Opladen, 1965 in Opladen geboren, wuchs bei Hamburg und Paderborn auf. Nach dem Studium der Germanistik und Politikwissenschaften in Marburg und Berlin arbeitete sie zunächst mehrere Jahre als Redakteurin und Moderatorin für einen Augsburger Fernsehsender, bis sie sich dazu entschloss, ihrem Kindheits- und Jugendtraum nachzugehen und selbstständig zu schreiben. Heute lebt Gudrun Opladen als freie Autorin und Journalistin mit ihrer Familie in Friedberg bei Augsburg.

 

Wie alles begann

Geboren wurde ich 1965 in Opladen, das heute zu Leverkusen gehört. Meine Familie zog häufig um, ich schnupperte Schweizer und Eifler Bergluft, verbrachte jedoch die meiste Zeit meiner Kindheit in Paderborn, Ahrensburg bei Hamburg und später wieder in Bad Lippspringe bei Paderborn. Die Neuen Medien existierten in den 70er Jahren noch nicht, und wer als Kind seinem Alltag entfliehen wollte, nahm sich häufig ein Buch, das er meistens vorher aus der Bibliothek oder Schule ausgeliehen hatte - so wurde auch ich zu einer echten Leseratte.

Mit 11, 12 Jahren fing ich an, davon zu träumen, "Schriftstellerin" zu werden. Wie viele junge Mädchen in dem Alter schrieb ich emsig Tagebücher und dachte mir Geschichten aus, die ich teilweise mühevoll in die Schreibmaschine meines Vaters tippte. Natürlich wurden meine frühreifen Ambitionen nicht ganz ernst genommen. Und doch gab es immer wieder bestimmte Menschen, die meine Träume lebendig hielten. Einer dieser Menschen war die damals berühmte Hamburger Autorin Margarethe Deinert. Unter dem Pseudonym „M. HALLER“ schrieb sie für den Franz Schneider Verlag viele bekannte Kinderbücher und -reihen und brachte es mit ihnen auf eine stolze Gesamtauflage von 7. Millionen. Unter den vielen Leserzuschriften, die sie in ihrem ungewöhnlich langen Leben von 102 Jahren bekam (und die sie alle beantwortet haben soll) war auch ein Brief von mir – ihre liebenswürdige Antwort ist heute ein kleines historisches Dokument:

… sind Schäume

In das Jahr 1977 fällt auch dieser freundliche Absage-Brief des Franz Schneider Verlags. Wahrscheinlich hoffte ich tatsächlich, dass der Verlag meine Schülergeschichte (es war eine Abenteuergeschichte mit „echten“ Verbrechern!) druckt. In jedem Fall hat mich die nette Verlagsdame mit einem dicken Paket Schneider-Bücher sehr getröstet – und wohl nebenbei verhindert, dass ich sie oder andere mit weiteren Geschichten behellige ...

Schule

Im Laufe der Jahre wurde das Fach Deutsch neben Kunst immer mehr zu meinem Lieblingsfach und es gab Lehrer, die mich im Schreiben und Verstehen ermunterten und aufbauten. Sehr gut kann ich mich zum Beispiel noch an die gemütlichen Teestunden bei einer jungen Lehrerin erinnern, mit der wir zuhause freiwillig Gedichte von Hölderlin über Heine bis Brecht lasen: Ihre Begeisterung war natürlich und ansteckend. Nicht zu verachten auch die Religions- und Philosophie-Stunden im katholischen Paderborn: Gerade sie brachten mein Denken zum Laufen und formten, wenn vielleicht auch unbeabsichtigt, meinen Widerspruchsgeist - eine Entwicklung, die dann geradewegs nach Marburg führte, in das Studium der Germanistik und der damals dort von den Alt-68ern gepägten Politikwissenschaften.

Studium

Der Studienbeginn war enthusiastisch, doch das ständige Bearbeiten von Sekundärliteratur im Fach Neuere deutsche Literatur führte dazu, dass ich kaum dazu kam, die Ursprungstexte zu lesen. Ich gab das Germanistik-Studium nach dem Grundstudium auf und konzentrierte mich in Berlin am Otto-Suhr-Institut auf den Diplom-Studiengang Politologie. Ich beendete ihn mit einer Arbeit über "Civil Religion in der Bundesrepublik. Zur Entstehung und Genese einer Politischen Religion“. Zivilreligion ist ein amerikanisch geprägter Fachbegriff für ein religiös begründetes Wertefundament bürgerlicher Demokratien, bei uns zum Beispiel mit Begriffen wie Grundkonsens oder Leitkultur in der politischen Diskussion erkennbar. Dass Religion nicht nur für die Politik genutzt und ausgenutzt wird, sondern selber Auslöser für politische Ideologien und Menschenverachtung sein kann, per se politisch ist, wird nach wie vor von vielen Machthabern geleugnet, eben weil es ein uraltes, effektives Machtmittel ist. In meinem Buch Die Zecke des Zaren und vor allem in meinem neuen Buch Willehalm und Arabel spielt diese tragische Verquickung von Politik und Religion eine ganz besondere Rolle.

Arbeit

Nach dem Ende des Studiums stand für mich endgültig fest, "Schreiberling“ zu werden. Obwohl mich langsam sehr reale Existenzängste beschlichen, schnupperte ich versuchsweise in die Politik hinein (Bezirksverordnetenversammlung Berlin–Tiergarten), hängte noch ein Studienjahr Fernsehjournalismus am Potsdam-Kolleg an, absolvierte den üblichen Praktikanten-Marathon in Berlin, Paderborn und Osnabrück, und bekam am Schluss die Möglichkeit, in Augsburg als Redakteurin des hiesigen Lokalfernsehens zu arbeiten: als Chefin vom Dienst für die Nachrichten, als Moderatorin in der Sendung oder als rasende Reporterin vor Ort. In diesen intensiven Ausbildungs- und Arbeitsjahren verfestigte sich etwas für mich sehr Wichtiges: das Handwerk, Dinge auf den Punkt zu bringen, und das in einer Sprache, die möglichst jeder versteht.

Familie oder: Alles auf Anfang

Wer Kinder bekommt, wird nicht nur mit einer vollkommen neuen, teils surrealen Welt und einem anspruchsvollen Full-Time-Job konfrontiert, sondern auch automatisch wieder in schönere Sphären seiner eigenen Vergangenheit zurückgebeamt. So ging es auch mir: Ich hörte in den Krabbelgruppen und im Kindergarten längst vergessene Lieder, entdeckte alte Kinderfilme oder -theaterstücke neu, erfand eine Kasperle-Geschichte für den Kindergarten und begann mit alter Neugierde und Spaß, bekannte und neue Kinderbücher zu lesen und natürlich vorzulesen. Dass es auch in der aktuellen Kinderliteratur manchmal noch Betulich-Belehrendes oder Süßlich-Verdummendes zu lesen und zu hören gibt, hat mich eher motiviert als abgehalten. Wie auch immer: der Funke sprang erneut über und der fast vergessene Jugendtraum, selber Erzählungen zu verfassen, war wieder entbrannt.